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Flexible Computing Anywhere? Ceedo Personal
18.04.2012 - 08:00

USB-Sticks werden immer schneller, bieten immer größere Speicherkapazitäten. Doch was soll man mit diesem Überschuss anfangen? Sollte man nicht gerade die gesamte (selbstverständlich legal erworbene) Musik- und Video-Sammlung auf seinem Taschenspeicher mit sich herumtragen gibt es doch kaum Möglichkeiten, das volle Potential des Gerätes auszunutzen!

Themenwechsel: Internet-Kaffees sind doch echt etwas tolles, oder? Man kann sich für eine - in vielen Ländern geringe - Summe Geld hinsetzen und alle wichtigen Dinge ohne eigenen Computer erledigen. Oh, eine neue Mail: Überprüfe bitte für mich diesen Quellcode. Blöderweise bietet der Computer natürlich keine Entwicklungsumgebung, diesem Anliegen kann ich also nicht nachkommen. Noch eine Mail: Was meinst du zu dieser Präsentation? Leider ist auf dem Computer nur eine veraltete Office-Suite installiert und deshalb kann ich auch diese Frage nicht beantworten. Und das schlimmste an der ganzen Geschichte ist, dass alle Daten, mit denen ich interagiert habe, auch noch auf dem genutzten PC gespeichert sind.


Was wäre nun, wenn man auf dem viel zu großen Speicher eigene Programme, die alles öffnen und bearbeiten können - so, wie ich es will? Nun gut, dazu gibt es ja schon seit einigen Jahren Lösungen wie PortableApps.com (nur, um eine populäre Lösung zu nennen). Doch wie war das jetzt mit den Problemen? Quellcode in der proprietären Sprache lässt sich dennoch nicht öffnen, Dokumente des Types *.docx verlieren beim Öffnen in kostenlosen und portablen Office-Suiten teilweise viele Formatierungen.

Die Lösung für beides will die - kostenpflichtige - Software "Ceedo" bieten. Doch kann sie, in der bei uns getesteten "Personal"-Variante für den Privat-Nutzer wirklich überzeugen?


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Danksagung

Wir danken Ceedo für die Bereitstellung einer Personal-Lizenz und einer kostenlosen Funktions-Präsentation (um 1 Uhr nachts).










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Idee

Eigentlich ist Ceedo weit vor dem Kommen der portablen Anwendungen für eine völlig andere Zielgruppe entwickelt worden - Kunden im professionellen Bereich, wie beispielsweise Firmen. In jeder großen Firma gibt es eine stattliche Anzahl von Rechnern, bestenfalls für jeden Mitarbeiter einen oder sogar mehrere. Doch alle diese Rechner benötigen einen großen Aufwand an Wartungsarbeit - Software muss installiert und aktualisiert werden, Einstellungen und Dateien müssen zentral auf Großrechnern gespeichert und freigegeben werden. Und was passiert nun, wenn ein Mitarbeiter auf einer Geschäftsreise dringend mit der vertrauten Software arbeiten muss?

Selbstverständlich gibt es die Möglichkeit, jedem Mitarbeiter ein eigenes Notebook zu stellen, doch das ist mit viel Aufwand und vor allem Geld verbunden. Die Lösung hierfür scheint Ceedo Personal zu sein:




Wie bereits im Video erkennbar, erlaubt Ceedo es, Anwendungen, von denen es keine mobile ("portable") Version gibt, auf einem USB-Stick laufen zu lassen. Hierzu wird bei der ersten Installation auf dem gewünschten Stick unter einer beliebigen Windows-Variante ab Version XP, sozusagen eine virtuelle Maschine erstellt, die direkt auf dem Host-PC nutzbar ist. Das bedeutet, dass die Systemdateien zwischen dem Stick und dem Computer, auf welchem dieser genutzt wird, strikt getrennt sind, die Funktionalität dennoch verschmilzt.

Um eine größtmögliche Kompatibilität (und auch Legalität) zu ermöglichen, werden bei jedem Start die Systemdateien des Hosts genutzt. Hierbei sind abermals alle Versionen und Varianten ab XP möglich. Auf dem Stick gespeichert und dadurch vollständig vom PC getrennt sind jedoch die Registry und alle Einstellungen der installieren Programme. Da alle Programme von Ceedo - unabhängig davon, ob sie auf dem Stick oder dem PC installiert sind - in einer "Sandbox" gestartet werden, erlaubt dies eine starke Interaktion zwischen den beiden Systemen, die dennoch voneinander getrennt sind, sodass nach de Nutzung von Ceedo keine Daten auf dem PC zurückbleiben.

Bis zu diesem Zeitpunkt war nur von Unternehmen die Rede. Doch Ceedo ist auch in einer Variante für Privat-Anwender erhältlich - Kostenpunkt: 40 Dollar.










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Installation & Konfiguration

Die Installation verläuft denkbar einfach: Installations-Datei ausführen, Sprache auswählen, EULA (durchlesen) und akzeptieren, Laufwerk auswählen und los geht's.










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Achtung: Bei den folgenden Screenhots wurden zur besseren Verdeutlichung teilweise erst später im Review beschriebene Funktionen und Einstellungen bereits vorgenommen sowie Programme bereits installiert.

Gestartet wird das Ganze dann mit einem Klick auf "StartCeedo.exe"; diese ausführbare Datei findet sich im Hauptverzeichnis des Installationsmediums. Nach diesem erscheint - standardmäßig am oberen Bildschirmrand - eine Toolbar, welche aus dem Startmenü, dem Button zum Beenden und einer personalisierbaren Liste von Anwendungen besteht. Schon in dieser lässt sich erkennen, dass Host und USB-Gerät sehr eng miteinander verzahnt sind - welche andere Software bietet einen (in diesem Sinne) portablen Internet Explorer?


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Öffnet man das Startmenü, lassen sich weitere starke Ähnlichkeiten zur gewohnten Oberfläche von Windows (vor allem XP) finden, denn es verfügt über den eingestellten Standard-Browser und -Mailclient, sowie die zuletzt geöffneten Anwendungen auf der linken Seite. Rechts sieht man eine Anzeige des belegten / noch verfügbaren Speicherplatzes, zwei Verlinkungen in die Ordner-Hierarchie, eine in das Programm-Verzeichnis (auf welches auf der folgenden Seite noch weiter eingegangen wird) und ein Button für die Einstellungen sowie die Hilfe.


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Die Optionen gliedern sich in General, Appearance, Toolbar, Security, Advanced, Updates und Licence. Jedes dieser Reiter ist in weitere unterteilt, in welchen sich diverse Anpassungsmöglichkeiten darlegen.

Da der Artikel mit der Erklärung jeder einzelnen Option zu komplex und ermüdend werden würde, beschränken wir uns auf die wirklich wichtigen und einzigartigen. In "General" ist es möglich, die auf dem Host gespeicherten Favoriten des Internet Explorers zu den auf dem Stick vorhandenen hinzuzufügen. Leider sind Browser von Drittherstellern hierbei ausgenommen, da bei diesen andere Verzeichnisse genutzt werden. Auch ist es möglich - sofern man weitere Programme dieses Typs installiert hat - den Browser und Mail-Client im Startmenü anzupassen, hierbei wird die von jeder Anwendung dieses Typs mitgelieferte Funktion als Standardprogramm verwendet.


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In der Sektion "Appearance" lassen sich verschiedene Skins wählen, die das doch sehr pastell-farbende blau ändern - unser Tipp: "Fade To Black". Weiterhin lassen sich der im Startmenü angezeigte Name und Bild anpassen. Unter "Toolbar" finden sich logischerweise Einstellungen wie das automatische Ausblenden oder die der Größen-Änderung selbiger. Wichtig ist der Reiter "Security", in dem sich als erstes einmal ein Passwort, das beim Start von Ceedo abgefragt wird, vergeben werden kann - leider verschlüsselt dies nicht das Laufwerk, sodass persönliche Daten ungeschützt verbleiben. Sollte die Software zu langsam arbeiten lohnt sich außerdem ein Haken zur Speicherung der Registry oder der temporären Dateien auf dem Host-PC. Problem hierbei ist, dass bei einem Absturz - also bei einem nicht vorhandenen vorgesehenen Schließen - die Daten auf diesem verbleiben und ausgelesen werden können.


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Sollte man Ceedo an einem Computer täglich nutzen, lohnt sich ein Blick auf die Möglichkeit des Autostarts, zu finden unter "Advanced". Unter "Updates" lässt sich einmal der Zeitpunkt der Überprüfung auf Software-Aktualisierungen, aber auch die Automatisierung dieser verstellen. Sollte man das Produkt käuflich erworben haben, wird dennoch nur die 45-Tage-Demo installiert. Zur dauerhaften Nutzung muss unter "Licence" erst die Nummer eingetragen oder die Datei importiert werden. Die eigene Nummer lässt sich außerdem auch noch einmal nachlesen.


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Funktion

Nun gut, lange genug gewartet, nun geht es auf zum wichtigsten Teil von Ceedo, der Funktion. Wofür Geld ausgeben, wenn man doch auch kostenlose Software für dasselbe Einsatzgebiet bekommt? Kurzantwort: weil man hiermit wirklich (fast) alles portabel bekommt!

Schnell ans Ziel, portable Anwendungen auf einem Stick, gelangt man mit dem - auch im Startmenü verlinkten - "Programs Directory". In diesem Verzeichnis findet sich eine Sammlung kostenloser Anwendungen, die mit Ceedo getestet wurden und ohne Probleme funktionieren.

Die Installation erfolgt jedoch nicht über irgendeinen angepassten Installer, sondern über den dem Wunsch-Programm beigelegten. Hierbei zeigt sich schon die Besonderheit von Ceedo: um ein beliebiges Programm immer bei sich zu tragen, genügt es, den Setup-Assistenten auszuführen und diesen zu befolgen. Da vollständig in einer "Sandbox" gearbeitet wird, ändert sich der Pfad, unter welchem das Programm anschließend zu finden ist, automatisch auf das Programm-Verzeichnis des USB-Sticks. Auf den folgenden Bilder sieht man als erstes den Installationsprozess von der im "Programs Directory" zu findenden Anwendung "Skype", danach die Installation von Silverlight, das von der offiziellen Seite heruntergeladen wurde.











Bei einer Sandbox handelt es sich um einen digital abgetrennten Raum, in welchem bestimmte Operationen ausgeführt werden können, ohne andere - unter Umständen riskante Bereiche - zu benutzen. Beispielsweise kann ein Virus, welcher in einer Sandbox ausgeführt wird, das eigentliche System nicht schaden, da er keinen Zugriff auf Bereiche außerhalb des ihm zugeschriebenen Bereiches bekommt. Diese Lösung bietet sich in diesem Fall natürlich an, da die Anwendungen von Ceedo das Host-System nicht beeinflussen können.

Ein unter Ceedo installiertes Programm lässt sich äußerlich leicht erkennen - sollte man es starten besitzt es einen orangenen Rand sowie ein kleines Ceedo-Logo.


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Alle Programme starten und laufen also in einer vom Host getrennten Arbeitsumgebung, inkompatibel sind sie dennoch nicht. Die Zwischenablage funktioniert wie gehabt und auch funktionsübergreifend wird gearbeitet.

Test-Szenario: auf dem USB-Stick befindet sich eine *.pdf-Dokument. Ist der Adobe Reader auf diesem installiert, wird die Datei automatisch mit diesem geöffnet. Sollte jedoch kein kompatibles Programm auf dem mobilen Speichergerät gefunden werden, wird automatisch das Programm des Hosts genutzt - dies wird sogar in einer Sitzung unter Ceedo gestartet, sodass keine Daten-Reste nach Beenden der Anwendungen verbleiben.

Ganz ohne Probleme und Komplikationen funktioniert Ceedo dennoch nicht. Aufgrund der vorhandenen Einschränkungen - es handelt sich um keine vollwertige virtuelle Maschine - lassen sich bestimmte Anwendungen (Liste) nicht installieren.

Ganz grob lassen sich die Probleme in zwei Kategorien einteilen: entweder das Programm installiert Kernel-Module oder es verwendet einen an die Hardware gebundene Aktivierungsmethode. Bei dieser sammelt das Programm bestimmte Daten des Computers (Prozessor, RAM, ...) und erstellt eine für diesen spezifische ID. Da der Wechsel des Sticks an einen neuen Rechner dem vollständigen Wechsel der gesamten Hardware gleichkommt, ist die Aktivierung dementsprechend ungültig und muss erneut durchgeführt werden. Jedoch wird ein solcher Wechsel üblicherweise nur durchgeführt, sollte der Käufer seine nur für einen Arbeitsplatz gültige Lizenz an mehreren Nutzen wollen. So wird die Aktivierung und damit auch die Nutzung unter Ceedo unterbunden.

Betroffen hierbei sind beispielsweise der Adobe Photoshop, Adobe Lightroom, Microsoft Office 2012 oder Microsoft Visual Studio 2010.










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Fazit

Befindet man sich häufig an unterschiedlichen Computern und möchte immer seine gewohnte Arbeitsumgebung bei sich haben? Ceedo ist die Lösung. Zwar lassen sich einige Anwendungen auf Grund kleiner Einschränkungen nicht installieren - mehr Funktionalität und vor allem Sicherheit bietet dieses System dennoch.

Nutzt man Ceedo nicht, bleiben drei Möglichkeiten:

  • man nutzt den Host-PC, leider ist man hierbei meist an die vorinstallierten Anwendungen gebunden und alle Daten werden auf diesem gespeichert
  • man nutzt eine "normale" Lösung, leider ist man hierbei ebenfalls an eine Auswahl gebunden
  • ähnliche Lösungen, die jedoch ebenfalls kostenlos und sogar teilweise mehr Einschränkungen besitzen

Zusammenfassend lässt sich also festhalten, dass Ceedo für den Nutzer die bestmöglichste mobile Arbeitsumgebung bietet - Flexible Computing Anywhere!

Jedoch hat das ganze leider auch seine Schattenseiten, so existiert zwar eine Verschlüsselung, lässt diese zwar auch den Eindruck von Sicherheit bieten - geschützt sind die privaten Daten jedoch in keinster Weise, ein Warnhinweis wäre angebracht. Dass bestimmte Anwendungen nicht funktionieren ist einerseits ersichtlich, liegt es doch an den Herstellern, die solch komplexe Methoden zum Schutz ihres geistigen Eigentums nutzen - andererseits schränkt dies die Liste der nutzbaren Anwendungen doch beträchtlich ein.



  • (fast) alle Anwendungen werden mobil
  • Interaktion zwischen Host und Stick
  • Geschwindigkeit
  • Sicherheit (Sandbox)



  • bestimmte Anwendungen funktionieren nicht *
  • Passwort sorgt nicht für Verschlüsselung der persönlichen Daten


    * bei einem Teil der nicht Funktionierenden Anwendungen wird auf eine Online-Aktivierung mit einer eindeutigen Hardware ID gesetzt - da sich diese auf einem USB-Stick nicht nachahmen lässt (da Prozessor, Motherboard und RAM genutzt werden), geht dieser Fehler nicht von Ceedo aus


    Links zum Produkt





  • Rasmus Kriest


    gedruckt am 22.07.2014 - 16:51
    http://www.tech-review.de/include.php?path=content/content.php&contentid=14609